Hormone in augsburg

Progesteronmangel – warum Hormone nie isoliert betrachtet werden sollten

Viele Frauen kommen in meine Praxis mit Beschwerden wie PMS, Schlafstörungen, Angstgefühlen, Zyklusunregelmäßigkeiten, Brustspannen, Gewichtszunahme oder dem Gefühl, "nicht mehr sie selbst" zu sein.

Oft wird dabei ausschließlich auf die Hormone geschaut. Doch Hormone arbeiten niemals isoliert. Sie stehen in engem Zusammenhang mit unserem Darm, unserer Nährstoffversorgung und unserem Stresssystem.


Progesteron – das Ruhehormon der Frau

Progesteron wird häufig als "Wohlfühlhormon" bezeichnet. Es fördert einen erholsamen Schlaf, wirkt beruhigend auf das Nervensystem und trägt zu einem ausgeglichenen Zyklus bei.

Sinkt der Progesteronspiegel – was bereits viele Jahre vor den Wechseljahren auftreten kann – entstehen häufig Symptome wie:

  • innere Unruhe
  • Schlafprobleme
  • verstärkte PMS-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Brustspannen
  • kurze Zyklen
  • verstärkte Ängste oder Gereiztheit

Nicht jede Frau hat dieselben Beschwerden. Dennoch zeigt sich in der Praxis sehr häufig, dass ein relativer Progesteronmangel eine wichtige Rolle spielt.


Der Darm – oft unterschätzt

Ein gesunder Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan. Er beeinflusst unser Immunsystem, Entzündungsprozesse und den Stoffwechsel verschiedener Hormone.

Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten oder bestehen chronische Entzündungen, kann dies die Hormonbalance beeinträchtigen. Auch die Ausscheidung von Östrogen erfolgt unter anderem über den Darm. Funktioniert dieser Prozess nicht optimal, kann dies zu einer relativen Östrogendominanz beitragen.

Deshalb lohnt es sich häufig, den Darm nicht nur bei Verdauungsbeschwerden, sondern auch bei hormonellen Symptomen genauer anzuschauen.


Mikronährstoffe – kleine Stoffe mit großer Wirkung

Für die Bildung und Regulation unserer Hormone benötigt der Körper zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe.

Besonders wichtig sind unter anderem:

  • Magnesium
  • Vitamin B6
  • Zink
  • Vitamin D
  • Selen
  • Omega-3-Fettsäuren

Ein Mangel bedeutet nicht automatisch, dass hormonelle Beschwerden entstehen. Umgekehrt kann der Körper jedoch ohne ausreichende Mikronährstoffe viele hormonelle Prozesse nicht optimal steuern.


Stress verändert die Hormonbalance

Chronischer Stress aktiviert dauerhaft unsere Nebennieren und führt zu einer erhöhten Cortisolproduktion.

In der funktionellen Medizin wird häufig vom sogenannten "Cortisol Stealing" gesprochen. Gemeint ist die Beobachtung, dass anhaltender Stress mit einer geringeren Progesteronverfügbarkeit einhergehen kann. Der Begriff selbst ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Gut untersucht ist jedoch, dass chronischer Stress die Kommunikation zwischen Gehirn, Eierstöcken und Nebennieren beeinflusst und dadurch Eisprung, Zyklus und Progesteronproduktion verändern kann.

Deshalb reicht es oft nicht aus, ausschließlich Hormone zu substituieren. Ebenso wichtig ist es, die Ursachen für den chronischen Stress zu erkennen und das Nervensystem wieder in Balance zu bringen.


Hormone erzählen immer eine Geschichte

Hormone sind selten das eigentliche Problem – sie zeigen vielmehr, dass im Körper etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Wer langfristig etwas verändern möchte, sollte deshalb den ganzen Menschen betrachten: Ernährung, Darmgesundheit, Mikronährstoffe, Stressbelastung, Schlaf und Lebensstil beeinflussen sich gegenseitig.


Ein ganzheitlicher Blick eröffnet häufig neue Möglichkeiten, die Ursachen hormoneller Beschwerden besser zu verstehen und Frauen auf ihrem Weg zu mehr Energie, Gelassenheit und Wohlbefinden zu begleiten.